Diese Website „gefällt“ mir – wie umgehen mit der subjektiven Bewertung in Projekten?

Sie kennen das? Bei einem Treffen oder in einem Meeting sagt jemand „die Website gefällt mir“ oder „die Website finde ich gut“. Da viele Gespräche, selbst unter Fachleuten, mit einem pauschalen Werturteil beginnen, möchte ich mich im Blog diesem Thema widmen.

Um es gleich vorauszuschicken: Der erste Eindruck beim Besuch einer Website ist sehr wichtig. Es ist wie ein Kennenlernen – man sagt ja, die ersten Sekunden seien entscheidend. Sofort laufen nämlich unterbewusst Bewertungsprozesse ab – bei Websites können dies sein:

  • ist der Anbieter seriös, groß, klein, modern, altmodisch…?
  • ist das Produkt billig, wertig, stylisch, einfach, kompliziert…?
  • passen der Anbieter und sein Angebot zu mir, meinem Alter, Geschmack, Portemonnaie…. ?

 

Der erste Eindruck ist wichtig – aber zum Glück nicht alles

 

Zum Glück ist der erste Eindruck im Internetmarketing NICHT alles. Ein wichtiges Ziel einer Website sollte es aber sein, dass sie das Gros der BesucherInnen Ihrer jeweiligen Bedarfsgruppe anspricht – auch auf den „ersten Blick“. Dazu gehören neben gestalterischen Aspekten auch Inhalte und Funktionen, die dem Kunden nutzen – er ist aus irgendeinem Grund/Bedarf auf die Website gekommen.

Zum „erweiterten“ ersten Eindruck gehören schon wesentliche Erfolgsfaktoren, wie:

  • Benutzerfreundlichkeit: Navigation, Suche, Call-to-Action etc.
  • die richtige Kundenansprache und Präsentation der Inhalte gestalterisch wie funktional
  • …und natürlich: gute, passende Angebote

 

Eine Website muss aus Kundensicht bewertet werden

 

Aus einem guten Grund, vermutlich dem Mix vieler positiver Teilfaktoren heraus resultiert das Urteil: „Das finde ich gut“, „das gefällt mir“. Solche Aussagen kommen auch häufig in Projekten auf, wenn es darum geht, Wettbewerber oder Vorbilder vorzustellen bzw. das eigene Projekt zu bewerten.

 

Wenn es um „Geschmack“ geht, ist der Streit bekanntlich nahe, und diesem gilt es  aus dem Weg zu gehen. Dazu muss die Emotion aus der Diskussion herausgenommen, sie muss versachlicht werden. Interessant kann sein, dass jeder in der Runde einmal versucht, genauer zu erläutern, warum ihm die Seite „gefällt“ oder nicht. Auf diese Weise können schon erste Bewertungskriterien und daraus ableitend Ziele für die eigene Website erfasst und diskutiert werden. In jedem Fall bringt man den Focus von der emotionalen zur sachlichen Diskussion.

 

Erlauben Sie mir einen Vergleich und denken Sie einmal an Wein: Weintrinken ist ein holistisches Erlebnis. Die Schwierigkeit besteht darin, das Geschmeckte und sinnlich Erlebte mit Worten zu beschreiben. Am besten so, dass ein anderer das Erlebnis nachvollziehen kann. Das ist extrem schwierig. Sommeliers machen hierfür eine echte Ausbildung, sie beraten die Kunden fachmännisch und nutzen bestimmte, standardisierte Bewertungskriterien und Geschmacksvergleiche. Zumindest Sommeliers untereinander wissen dann, was gemeint ist. Auch die Beschreibung und Bewertung einer Website ist kompliziert und es müssen Kriterien herangezogen werden, die sich aus der Aufgabenstellung ergeben und messbar sind.

 

Kunden mit in die Bewertung einbeziehen 

 

Erfolgsentscheidend ist das Votum des Kunden. Für die Bewertung der eigenen Website ist es also wichtig, die eigene Position und Meinung zurückzunehmen und den Kunden, die Bedarfsgruppe, in den Mittelpunkt zu stellen. Das sollte in Projekten und Besprechungen immer bedacht und angestrebt werden. Dazu bezieht man die Kunden am besten mit ein. Es lohnt sich, im Projektverlauf Tests mit Kunden zu machen. Auf deren subjektives Urteil lohnt es sich genau zu achten, und es lohnt sich offen zu hinterfragen: Was bringt Sie zu der Meinung, was finden Sie konkret besonders gut etc. Aus diesen Antworten kann man viel lernen.

 

Mein Tipp: Diskutieren Sie ruhig über Meinungen und Geschmack, aber hinterfragen Sie möglichst sachlich. Auf diese Weise lernt man ständig hinzu und erweitert den Horizont.

One Comment

  1. Sara sagt:

    Die Aussage „Gefällt mir“ erinnert irgendwie an Facebook. Da weiß auch niemand, was gefällt. Für die Webseite einer Firma ist es sehr wichtig zu wissen, warum etwas gefällt. Und darüber können nur die Kunden entscheiden. Wichtig ist, dass die Navigation übersichtlich ist und man schnell findet, was man sucht. Am besten wäre es doch, direkte Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Haben Sie alles gefunden, was Sie suchen? Sind die Abläufe schnell und übersichtlich, um uns zu kontaktieren oder zu bestellen? Was können wir besser machen? Oder noch wichtiger: Würden Sie unsere Webseite weiterempfehlen?Meines Erachtens bekommt man so am ehestens Tipps, was verbessert werden könnte.

1 Kommentare

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