Stirbt Flash aus?

In den vergangenen Jahren ist das Web einen weiten Weg gegangen. Von einfachster Textdarstellung, bestenfalls mit einem deplatzierten Bild versehen, zu den modernen Webseiten von heute, die auch auf Mobilgeräten eine gute Figur machen. Das Web sollte und musste immer dynamischer werden, den Anforderungen einer neuen Generation genügen und dabei gut aussehen.

Flash war das Synonym für das moderne Web

Motor der Entwicklung waren und sind die Browser, doch die getrennte Entwicklung durch verschiedene Firmen, sei es Microsoft, Mozilla, Google oder Opera, barg auch stets das Risiko von Fehlentwicklungen und Verzögerungen. Die dadurch entstandenen Lücken wurden jahrelang vor allem von der Firma Macromedia, später in Adobe aufgegangen, mit ihrer Lösung Flash geschlossen. Flash war und ist ein Synonym für das moderne Web, für bewegte Grafiken, Animationen, Videos und Ton/Musik. Fast jeder hat schon einmal eine Flashanimation benutzt, sei es in einem Spiel, für eine Landkarte oder Videostreams wie bei YouTube. Über lange Zeit gab es keine Alternative zu Flash, und nur wenige haben danach gesucht – es gab kaum einen Grund etwas anderes zu nutzen.

Smartphones setzen neue Standards – Apple lässt Flash außen vor

Das änderte sich erst vor relativ kurzer Zeit, mit dem Markteintritt einer neuen Firma in den Markt der Smartphones. Die Firma Apple konnte binnen kurzer Zeit mit ihrem iPhone, und später dem iPad, den Markt für Mobilgeräte komplett umkrempeln. Die Geräte sind schnell, haben ein modernes Bedienkonzept und sind bei fast jeder Zielgruppe beliebt. Sie setzten einen neuen Standard für Qualität in ihrem Segment. Und doch können sie eines nicht: Ihr leistungsfähiger Browser konnte und kann kein Flash.

Viele hielten dies zu Anfang für einen technischen Mangel, etwas, das von Apple mit der Zeit beseitigt werden würden. Inzwischen ist, vor allem durch die Aussagen des Apple-Chefs Steve Jobs, klar, dass Flash ganz bewusst fehlt und wohl auch nicht kommen wird. Bei nicht wenigen Webmastern hat dies Erstaunen ausgelöst, immerhin kennen viele keine Alternative zu Flash, waren und sind sogar der Meinung, es gibt keine.

Doch das ist nicht mehr korrekt: Es gibt eine Alternative zu Flash.

Warum aber nun das Auslassen einer Technologie, die so vielen doch als modern und wichtig für das Web gilt? Die Erklärung liegt in der Weiterentwicklung der Browser. Früher galten sie als gute Wegbegleiter, aber oftmals etwas langsam, und selten waren sie so leistungsstark, wie es sich viele Webentwickler gewünscht haben – von den Kompatibilitätsproblemen ganz zu schweigen.
Sie konnten weder schnelle Animationen abspielen, sie hatten keine eigene Unterstützung für Videos, auch waren Grafiken stets größer als Flash-Animationen. Fast ignoriert von der Öffentlichkeit arbeiteten die Browserhersteller jedoch über die Jahre an Verbesserungen ihrer Produkte, heute bieten fast alle modernen Browser – der Internet Explorer erst mit der kommenden Version 9 – fast die selben Möglichkeiten wie Flash, ohne dass hierfür ein eigenes Plugin nötig ist.

SVG, HTML5 und CSS3 ermöglichen schnelle Animationen

Vor allem die neuen Standards SVG (Scalable Vector Graphics) und das kommende HTML5 zusammen mit CSS3 erlauben es, auch ohne Flash-Plugin hübsche Animationen zu entwerfen, die resourcenschonend und schnell abgespielt werden können. HTML5 bietet zudem die Möglichkeit, direkt durch den Browser Videos abspielen zu können, eine Funktion, die testweise bereits bei Youtube aktiviert werden kann.

Die allerneuesten Browser gehen sogar einen Schritt weiter, sie bieten mit WebGL volle 3D Unterstützung an, mit der sogar aufwändige Spiele direkt im Browser laufen können. Dabei bieten sie die volle Hardwarebeschleunigung, ein moderner PC kann also seine gesamten Resourcen nutzen.

Browser sind wieder die Trendsetter

Die Motivation für Apple, Flash abzulehnen und stattdessen auf offene Standards zu setzen, ist indes relativ gut nachvollziehbar: Zum einen erspart sich Apple dabei die Abhängigkeit von einer externen Firma, zum anderen können sie Innovationen wesentlich schneller umsetzen. So ist auch Flash in den letzten Jahren wenig innovativ gewesen, die Entwicklung verlangsamte sich zusehens. Heute sind die Trendsetter wieder Browser, vor allem die kleinen Browser Apple Safari und Google Chrome, die eine enorme Geschwindigkeit gepaart mit einem großen Funktionsumfang zeigen.

Auch die Sicherheit steigt auf diesem Weg

Anstatt zwei Produkte zu pflegen, muss nun nur noch der Browser aktuell gehalten werden, ein großes Plus für jeden Anbieter. Für Mobilgeräte ist zudem die Akkulaufzeit entscheidend, Apple gilt hier zurecht als Vorreiter. Die direkte Integration in den Browser erleichtert Optimierungen, ein Vorteil für den Käufer der Geräte, also auch für Apple selbst.  Durch den Verzicht von Flash auf den verbreiteten iPhones und iPads hat Apple vermutlich das Ende von Flash im Mobilsektor eingeleitet, eine Entwicklung, die noch kaum begonnen hatte. Durch die gleichzeitige Verfügbarkeit von leistungsfähigen Alternativtechnologien, die in Kürze auch auf dem Desktop Einzug halten, sinkt der Bedarf von Flash weiter.

Im folgenden eine kurze Auflistung der Browser, die Ihnen bereits heute die neuen Technologien zur Verfügung stellen:

Mobil:

  • Google Android Browser
  • Apple iPhone/iPad Safari Browser

Desktop

  • Apple Safari 5
  • Google Chrome
  • Internet Explorer 9 Beta
  • Mozilla Firefox 3.6
  • Opera 10.x

Noch kann nicht komplett auf Flash verzichtet werden

Die in Deutschland nicht mehr marktführenden Browser von Microsoft, ausgenommen die kommende Version 9 des Internet Explorers, unterstützen keine der neuen Technologien. Dies ist auch das bisher größte Hindernis der neuen Entwicklung und der Hauptgrund, warum ein kompletter Flashverzicht oftmals heute noch nicht möglich ist. Im Gegensatz hierzu wird der kommende Internet Explorer 9 einer der modernsten Browser werden und sowohl SVG wie auch HTML5 umfangreich unterstützen.

Im Fazit muss man festhalten, dass Flash für die verbreiteten Browser Internet Explorer 6 bis 8 noch immer von Bedeutung ist. Doch fast alle anderen heute eingesetzten Browser unterstützen bereits die neuen Technologien, allen voran der aktuelle Marktführer in Deutschland, der Firefox Browser.

Wer im Mobilsektor in Zukunft mit modernen Webseiten eine Rolle spielen will, kommt um SVG und HTML5 nicht herum. Sie bilden die gemeinsame Basis der beliebten Smartphonebrowser. Hier gilt es rechtzeitig Kompetenzen aufzubauen, um nicht anderen das Feld zu überlassen.

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Der Autor, Leander Hanwald, ist Leiter der Softwareentwicklung bei Interactive CMS in Berlin und arbeitet federführend an der Entwicklung von TravelCMS. Interactive CMS ist ein Schwesterunternehmen von CIC und Member of Pisano Holding.

One Comment

  1. Steven Faust sagt:

    Mensch das ist ja gut geworden, find ich super eure Seite, macht unbedingt genau so weiter!

1 Kommentare

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